45 Jahre | Geboren in Marseille | Wurzeln in Afrika
Zwischen zwei Welten geboren
Hakif Tamelon kam in Marseille zur Welt, in einem Zuhause, das von harter Arbeit und stiller Fürsorge geprägt war. Sein Vater verdiente den Lebensunterhalt der Familie auf Baustellen, oft von früh bis spät, während seine Mutter als Aushilfe in einer Drogerie arbeitete und sich daneben um die Familie kümmerte. Luxus gab es in diesem Zuhause nicht – aber Wärme, Zusammenhalt und den festen Glauben daran, dass man mit den eigenen Händen etwas erschaffen kann.
Genau diese Prägung wurde zum Fundament seines künstlerischen Weges. Schon als Kind entdeckte Hakif seine Faszination fürs Gestalten – zunächst mit einfachsten Mitteln: Kreide auf dem Bürgersteig, Kohlestücke auf Pappkartons, später erste Skizzenhefte, die er sich vom eigenen Taschengeld kaufte. Während andere Kinder auf der Straße spielten, saß er oft am Rand und beobachtete – Formen, Farben, Gesichter, Licht. Die Straßen von Marseille wurden zu seiner ersten Leinwand.
Wurzeln, die tragen
Seine familiären Wurzeln reichen zurück nach Afrika – ein Erbe, das Hakif zeitlebens als Quelle künstlerischer Kraft begreift. Muster, Rhythmen und Erzähltraditionen, die über Generationen weitergegeben wurden, fließen bis heute sichtbar in seine Arbeiten ein. Für ihn ist das kein nostalgischer Rückblick, sondern lebendiger Teil seiner Identität: die Verbindung zweier Kulturen, zweier Kontinente, zweier Sprachen des Ausdrucks, die sich in seinem Werk zu etwas völlig Eigenem verweben.
Ein Weg, der sich Stück für Stück öffnete
Der Zugang zur Kunstwelt war für Hakif nie selbstverständlich. Ohne familiäres Netzwerk in der Kunstszene, ohne finanzielle Sicherheit im Rücken, musste er sich seinen Platz hart erarbeiten – mit Ausdauer, Disziplin und einer Portion Sturheit, die er von seinem Vater geerbt zu haben glaubt. Kunstschulen kamen für ihn wirtschaftlich lange nicht infrage, also brachte er sich vieles selbst bei: durch Bücher aus der Stadtbücherei, durch stundenlanges Üben, durch das genaue Studium der Werke anderer.
Diese autodidaktische Reise gab seiner Kunst eine unverwechselbare Handschrift – roh, ehrlich, ungeschliffen im besten Sinne. Kein Werk, das gefallen will, sondern eines, das etwas zu sagen hat.
Kunst als Stimme
Heute, mit 45 Jahren, blickt Hakif Tamelon auf einen Weg zurück, der alles andere als geradlinig war – und genau das macht seine Kunst so glaubwürdig. Seine Werke erzählen von Herkunft und Aufbruch, von harter Arbeit und leiser Schönheit, von zwei Welten, die in ihm zu einer geworden sind. Sie tragen die Energie der Straßen von Marseille genauso in sich wie das kulturelle Erbe seiner afrikanischen Wurzeln.
Für Hakif ist Kunst kein abstraktes Konzept, sondern gelebte Erfahrung. Jedes Werk ist ein Stück seiner Geschichte – und eine Einladung an alle, die bereit sind, genauer hinzusehen.
"Ich male nicht, um zu gefallen. Ich male, um zu erzählen, woher ich komme – und wer ich dadurch geworden bin."